Wissen schafft Protest

Duisburg, 1992. Unfreiwillig wird die Ruhrstadt zur neuen Heimat für den damals 13-Jährigen. Die Türkei müssen er und die linksliberal engagierten Eltern als politisch Verfolgte verlassen. In Deutschland angekommen wird Ismail Küpelis Politisierung durch Mutter und Vater schnell in aktivistische Strukturen gelenkt: In Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Solingen und Mölln entblößen Teile der Gesellschaft all ihren menschenverachtenden Hass. „Und es ist ja nicht so, dass du Übergriffe nur in den Nachrichten siehst, du erfährst sie selbst. Auf dem Weg in die Schule, im Alltag. Der Rassismus ist immer da.“ […]
Küpeli stimmt es zuversichtlich, dass Dinge in Bewegung sind, Strukturen offener und andere Perspektiven zunehmend gehört werden. Zu dieser Entwicklung will er weiter beitragen, indem er seinen Blick auf die Welt teilt. Auch wenn sich dieser manchmal beklemmend irreal anfühlt – Stichwort: Simulation. „Das ist meine Bewältigungsstrategie“, erklärt er. „Ich möchte nicht dauerwütend oder zynisch werden. Deswegen sage ich: ,Gerade fühlt sich die Welt an, als sei ich im falschen Film, aber ich suche darin trotzdem meinem Weg und bleibe positiv.‘“

Veto Magazin: Wissen schafft Protest (16. Januar 2023)

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„Der türkische Staat setzt auf Gewalt und Vernichtung“

Ein Gespräch mit Ismail Küpeli über die Gründung des türkischen Nationalstaats und die sogenannte kurdische Frage

Sie haben den Zusammenhang zwischen der Gründung des türkischen Nationalstaats und der sogenannten kurdischen Frage erforscht – was bislang kaum jemand gemacht hat.

Die Forschungsarbeit gestaltete sich schwierig und ich musste mich damit abfinden, dass in manchen Fällen das Material nur unvollständig vorlag. Ein Beispiel dafür ist das Massaker im Zilan-Tal 1930 (bei dem bis zu 55 000 Menschen starben – d. Red.), das ich hauptsächlich auf der Basis von Zeitungsberichten rekonstruieren musste, weil die wichtigsten Quellen, nämlich die Planungen und Berichte des türkischen Generalstabs in diesen konkreten Fall nicht verfügbar waren. Aber solche Schwierigkeiten erleben alle Forscher*innen, die sich kritisch mit der Geschichte und Gegenwart des türkischen Nationalstaats beschäftigen.

Sie bezeichnen den türkischen Staat als einen »Gärtnerstaat« nach einem Begriff des Soziologen Zygmunt Bauman. Was meinen Sie damit?

Der Begriff »Gärtnerstaat« eröffnet eine wichtige Perspektive auf das Verhältnis zwischen Nationalstaat und Bevölkerung im jeweiligen Staatsterritorium. Während vielfach von einem Vertrags- oder Tauschverhältnis zwischen Staat und Bevölkerung ausgegangen wird, in dem der Staat Sicherheit und Ordnung gewährleistet und dafür Steuern und Zustimmung seitens der Bevölkerung einfordert, bietet Zygmunt Bauman eine andere Lesart. Hier ist der Staat kein »Dienstleister« für die Bevölkerung, sondern ein politischer Akteur mit spezifischen Zielen. Die Bevölkerung wird zur einer Ressource, mit der der Staat seine Ziele umsetzt. Ganz konkret bedeutet das z.B., dass der Nationalstaat eine vorab bestimmte Nation schaffen will und dabei »unerwünschte« Bevölkerungsteile vernichtet und/oder vertreibt – genau wie ein Gärtner, der Unkraut entfernt.

Was war das besondere an der türkischen Staatsgründung nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs?

Über die Geschichte der Türkei kursieren leider sehr viele Mythen und Legenden, die häufig auf eine affirmative und staatlich durchgesetzte Geschichtserzählung aus der Türkei selbst zurückgehen. Dazu gehört etwa die Erzählung über den »Türkischen Befreiungskrieg« von 1918–1923, die als ein antiimperialistischer Kampf gegen die Siegermächte des Ersten Weltkriegs beschrieben wird. Wenn wir uns aber diese Phase genauer anschauen, sehen wir eine Kette von gewaltsamen Maßnahmen inkl. Kriege, Massaker und Vertreibungen gegen nichtmuslimische Bevölkerungsgruppen – darunter auch die armenischen Überlebenden des Genozids von 1915. Ähnliche falsche Darstellungen betreffen etwa die Charakterisierung der Republik Türkei als einen demokratischen Staat.

Die 1920er und 1930er Jahre in diesem jungen Staat werden gemeinhin als eine Phase kurdischer Aufstände beschrieben. Sie sind nicht dieser Auffassung?

In zwei konkreten Fällen lässt sich von einem Aufstand sprechen; der Scheich-Said-Aufstand 1925 und der Aufstand 1930 in der Ararat-Region. Aber – und hier ist der Dissens – in den zahlreichen anderen Fällen, die ebenfalls als Aufstände deklariert werden, dient diese Bezeichnung dazu, vom türkischen Generalstab geplante und von der türkischen Armee durchgeführte Vernichtungsoperationen zu rechtfertigen. Doch wenn wir uns die jeweiligen Begründungen der Operationen anschauen, dann entdecken wir nichts, was eine Militäroperation rechtfertigen würde. Es handelt sich um Maßnahmen gegen nicht-türkische Bevölkerungsgruppen, um die staatlich gewünschte Zwangsassimilation gewaltsam durchzusetzen. Auch der Verlauf der jeweiligen Operation spricht nicht dafür, hier von Aufständen zu sprechen: Bereits vorab ausgesuchte Dörfer werden von Armeeeinheiten angegriffen, Männer vor Ort erschossen, Frauen und Kinder deportiert. Zu tatsächlichen Gefechten zwischen türkischen Soldaten und bewaffneten Kurd*innen kommt es nur selten – und wenn doch, dann werden diese Vorfälle auch in den Berichten des türkischen Generalstabs als nicht hinnehmbar bezeichnet. Bei einem tatsächlichen Aufstand wären jedoch solche Gefechte üblich und nicht weiter auffällig. Auch der angebliche Aufstand in Dersim, womit die Vernichtungsoperationen 1937–1938 legitimiert wurden, stellt sich im näheren Hinschauen als eine wenig überzeugende Erzählung heraus, die lediglich dazu dient, den Massenmord zu rechtfertigen.

Sie sprechen nicht von der »kurdischen Frage«, sondern ziehen die Bezeichnung »Türkeifrage« vor – warum?

Weil dieser Konflikt nicht darauf zurückgeht, dass Kurdinnen existieren, eine bestimmte Sprache sprechen oder irgendwelche kulturellen Eigenarten hätten, sondern darauf, dass der türkische Nationalstaat eine ethnisch homogene Türkei schaffen will, in der nur die türkische Nation eine Existenzberechtigung hat und andere Bevölkerungsgruppen grundsätzlich als ein Problem angesehen werden. Und die »kurdische Frage« lässt sich nur lösen, indem die »Türkeifrage« gestellt wird, nämlich so: Wie muss eine Gesellschaft auf dem heutigen Staatsgebiet der Türkei gestaltet werden, damit alle Bevölkerungsgruppen gleichberechtigt zusammenleben können? Dazu kommt, dass die »kurdische Frage« in der Türkei nur verstanden werden kann, wenn man sich all die anderen »Fragen« anschaut; nämlich das Vorgehen des türkischen Nationalstaats gegen all die nicht-türkischen Bevölkerungen. Dazu gehört die Vernichtung der Armenierinnen, sowohl durch den Genozid von 1915 als auch durch die staatliche Gewalt in den Folgejahren, dazu gehört die Vernichtung und Vertreibung anderer christlicher Bevölkerungsgruppen wie etwa die Pontosgriechinnen, dazu gehört die Zwangsassimilation der Tscherkessinnen, dazu gehört die De-facto-Vertreibung der türkischen Juden und Jüdinnen durch eine repressive Politik in den 1930ern und 1940ern. Insofern ja, es ist eine »Türkeifrage«.

In Ihrer Auseinandersetzung mit der »Türkeifrage« unterscheiden Sie zwischen verschiedenen kurdischen Akteuren: beispielsweise kurdischen Eliten in Istanbul, Fürsten und Scheichs und deren unterschiedliche politische Agenda. Wird hier der Klassenkonflikt im nationalistischen Gewand ausgefochten?

Die Klassenfrage ist sicherlich eine wichtige und erklärt zum Teil auch das Verhalten der staatsloyalen kurdischen Eliten gegenüber dem türkischen Nationalstaat. Aber zuerst wird die Klassenfrage von der nationalistischen Ideologie insofern überlagert, in dem der türkische Nationalstaat versucht, alle nicht-türkischen »Elemente« zu zerschlagen und/oder zu vernichten. Erst als dies im Falle der Kurd*innen scheitert, kommt es zu einem erneuten Arrangement zwischen dem türkischen Nationalstaat und den lokalen kurdischen Eliten, die in diesem Kontext zu den Stellvertretern und Vermittlern des Staates in ihren jeweiligen Gebieten werden. Und dementsprechend gewinnt die Klassenfrage in der Beziehung zwischen kurdischen Eliten und der »einfachen« kurdischen Bevölkerung wieder an Bedeutung.

Welche Möglichkeiten hat die Wissenschaft in diesem doch sehr schwer zugänglichen Forschungsfeld?

Ja, es stimmt, die Archive sind noch verschlossen und in der Türkei selbst ist kritische Forschung faktisch unmöglich. Aber zumindest im Exil, etwa in Europa, lassen sich mit dem Material, das man sehr mühselig über Umwege zusammentragen kann, bereits sinnvolle Beiträge für die wissenschaftliche Aufarbeitung leisten. Und diese Beiträge braucht es, um den Nationalstaat, der fast immer auf Exklusion, Vertreibung und Vernichtung von »unerwünschten« Bevölkerungsgruppen setzt, zu hinterfragen und neue Formen des Zusammenlebens zu entwickeln, in der nicht eine Bevölkerungsgruppe andere beherrscht, sondern Demokratie und Pluralismus selbstverständlich sind.

Ismail Küpeli: Die kurdische Frage in der Türkei: Über die gewaltsame Durchsetzung von Nationalstaatlichkeit. Transcript, 256 S., br., 39 €

»Der türkische Staat setzt auf Gewalt und Vernichtung«: Ein Gespräch mit Ismail Küpeli über die Gründung des türkischen Nationalstaats und die sogenannte kurdische Frage (nd, 11. Januar 2023)

The Kurdish Question in Turkey: On the violent enforcement of nation-statehood

The initial hypothesis of this case study was that the Kurdish population in Turkey posed the main obstacle to the creation of a unified Turkish nation. An analysis of the events studied in the 1920s and 1930s confirmed this thesis. To this end, the ideas and drafts of a Turkish nation state, which the Kemalist state leadership pushed for from 1923 onwards, as well as the strategies and measures derived from those against the Kurdish population were presented and critically discussed. It became apparent that the phase between the founding of the Republic of Turkey in 1923 and the extermination operations in the Dersim region in 1937/1938 was decisively shaped by the so-called Kurdish question. An outlook on further developments after 1938 also showed that the relevance of this question remains unabated to this day. The discursive reactions of current state historiography in Turkey are also in continuity with official state statements from the 1920s and 1930s. […]

Ismail Küpeli (2022): The Kurdish Question in Turkey. On the violent enforcement of nation-statehood, Cologne: University of Cologne.

Türkiye’de Kürt Sorunu: Ulus-devletin şiddetle uygulanması üzerine

Vaka çalışmasının başlangıç tezi, Türkiye’deki Kürt nüfusun birleşik bir Türk ulusunun yaratılmasının önündeki ana engel olduğuydu. 1920’ler ve 1930’larda incelenen olayların analizi bu tezi doğrulamıştır. Bu amaçla, Kemalist devlet liderliğinin 1923’ten itibaren ortaya attığı Türk ulus devleti fikirleri ve taslakları ile bunlardan Kürt nüfusa karşı türetilen stratejiler ve önlemler sunulmuş ve eleştirel bir şekilde tartışılmıştır. Türkiye Cumhuriyeti’nin 1923’te kuruluşu ile 1937/1938’de Dersim bölgesinde gerçekleştirilen imha operasyonları arasındaki dönemin belirleyici bir şekilde sözde Kürt sorunu tarafından şekillendirildiği ortaya çıkmıştır. 1938’den sonraki gelişmelere bakıldığında da bu sorunun geçerliliğini bugün de koruduğu görülmektedir. Türkiye’deki mevcut resmi tarih yazımının söylemsel tepkileri de 1920’ler ve 1930’lardaki devlet açıklamalarının devamı niteliğindedir. […]

İsmail Küpeli (2022): Türkiye’de Kürt Sorunu: Ulus-devletin şiddetle uygulanması üzerine, Köln: Köln Üniversitesi.

Die kurdische Frage in der Türkei

Über die gewaltsame Durchsetzung von Nationalstaatlichkeit

Der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung ist einer der entscheidenden Faktoren, die die Geschichte und Gegenwart der Türkei bestimmen. Die politische Debatten und Entscheidungen in vielen sehr unterschiedlichen Bereichen von der Bildungspolitik bis hin zur Außenpolitik lassen sich auf die sogenannte kurdische Frage zurückführen. Darüber hinaus ist der Konflikt für die geschichtliche Entwicklung und der aktuellen Lage des gesamten Nahen und Mittleren Ostens bedeutend. Dies nicht zuletzt dadurch, dass kurdische Bevölkerungsgruppen in vielen Staaten existieren und in vielen Staaten politisch relevante AkteurInnen hervorgebracht haben, wie etwa neben der Türkei in Syrien und im Irak. Die Geschichte des Konflikts zwischen der Türkei und der kurdischen Bevölkerung muss aufarbeitet werden, um die gegenwärtigen Konflikte zu verstehen.

Die Forschungsarbeit beschränkt sich indes nicht auf die Analyse dieser gewaltsamen Durchsetzung von Nationalstaatlichkeit und der autoritären Schaffung einer türkischen Nation, sondern will darüber hinaus Empfehlungen und Denkanstöße für die Erinnerungsarbeit und die politische Bildung formulieren, die Beiträge für eine Anerkennung der Pluralität und Diversität der jeweiligen Bevölkerungen und für einen gesellschaftlichen Friedensprozess, in der die Interessen und Rechte aller Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden, liefern können.

Ismail Küpeli (2022): Die kurdische Frage in der Türkei. Über die gewaltsame Durchsetzung von Nationalstaatlichkeit, Bielefeld: transcript Verlag.

Ismail Küpeli (2022): The Kurdish Question in Turkey. On the violent enforcement of nation-statehood, Cologne: University of Cologne.

İsmail Küpeli (2022): Türkiye’de Kürt Sorunu: Ulus-devletin şiddetle uygulanması üzerine, Köln: Köln Üniversitesi.

Die Klaue schlägt zu: Die türkische Armee kämpft im Nordirak gegen die PKK

Die Türkei beruft sich auf ihr Recht zur Selbstverteidigung. Doch sind die türkische Militäroffensive im Nordirak ebenso wie die militärische Gewalt in den kurdischen Gebieten der Türkei und gegen die syrisch-kurdische Autonomieregion Rojava in den vergangenen Jahren nur ein Aspekt der militärischen Politik gegen kurdische Kräfte in der ­ganzen Region. Unterdrückt wird dabei nicht nur die kurdische Bevölkerung in der Türkei selbst, sondern auch die Opposition gegen diese militarisierte Politik, die als »Vaterlandsverrat« und »Terrorismus« verunglimpft wird. […]

Weiterlesen: Die Klaue schlägt zu: Die türkische Armee kämpft im Nordirak gegen die PKK (Jungle World, 5. Mai 2022)

Gute Autokraten, schlechte Autokraten

Die Türkei wird wegen des Ukraine-Kriegs von Deutschland hofiert und kann sich als Friedensvermittler inszenieren. Dabei ist die Politik des Erdoğan-Regimes der Russlands in vielen Punkten ähnlich.

Abschaffung der Demokratie, tagtägliche Festnahmen von Oppositionellen, Zerschlagung zivilgesellschaftlicher Organisationen, Ausschaltung von kritischen Medien, unzählige Menschenrechtsverletzungen, Angriffskriege in Nachbarländern und Unterstützung von gewalttätigen Milizen außerhalb des eigenen Staatsterritoriums: Nein, die Rede ist nicht von Russland. Während der Ukraine-Krieg den Blick auf die Innen- und Außenpolitik des russischen Regimes unter Wladimir Putin lenkt, bleiben die Taten der türkischen Autokratie unter Recep Tayyip Erdoğan weitgehend unbeachtet. Vielmehr wird Erdoğan wahlweise als Verbündeter der westlichen Staaten oder als Friedensvermittler hofiert. Das zeigte sich noch Anfang März bei einem Treffen der deutschen Außenministerin Annalena Baerbock (Grüne) mit ihrem türkischen Amtskollegen Mevlüt Çavuşoğlu, von dem Baerbock demonstrativ Fotos auf Twitter veröffentlichte. […]

Weiterlesen: Gute Autokraten, schlechte Autokraten (Jungle World, 28. April 2022)

HDP trotzt der Repression

Dem türkischen Staat ist es nicht gelungen, die Partei zu zerschlagen

Das kurdische Frühlings- und Neujahrsfest Newroz am 21. März findet in der Türkei auch dieses Jahr mitten einer Atmosphäre statt, die von der andauernden Repression gegen die linke und kurdisch geprägte Oppositionspartei HDP, einem wachsenden antikurdischen Rassismus und von einer Politik des türkischen Staates geprägt ist, die feindselig gegenüber allen kurdischen Bestrebungen in der gesamten Region auftritt. Dabei ist insbesondere die Delegitimierung der HDP anhand von hanebüchenen Terrorismusvorwürfen und damit die Exklusion von linken und kurdischen Perspektiven aus den politischen Debatten zu kritisieren. Dadurch werden die Interessen und legitimen Forderungen der Kurd*innen in der Türkei weiterhin ignoriert und ein friedliches und gleichberechtigtes Zusammenleben in der Türkei weiter unmöglich gemacht. […]

Weiterlesen: HDP trotzt der Repression: Dem türkischen Staat ist es nicht gelungen, die Partei zu zerschlagen (nd, 20. März 2022)

Olaf Scholz, Erdogan und die Frage nach „guten und schlechten Autokraten“

Bei seinem Besuch in der Türkei Anfang der Woche zeigten sich Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) und der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan betont freundschaftlich. Erdogan selbst lobte die „herzliche Atmosphäre“ und betonte Gemeinsamkeiten, besonders im Hinblick auf den Ukraine-Krieg. Doch welche Interessen verfolgt der türkische Präsident, der sich aktuell als Vermittler im Ukraine-Krieg anbietet, taugt er wirklich zum Friedensstifter und: Welche Rolle spielt der Westen? Die Antworten des renommierten Politikwissenschaftlers Ismail Küpeli zeugen von einem türkischen Regierungschef, der selbst um sein politisches Überleben kämpft – mit allen Mitteln. […]

Weiterlesen: Olaf Scholz, Erdogan und die Frage nach „guten und schlechten Autokraten“ (Kreiszeitung, 16. März 2022)

Veranstaltungsrundreise: „Die kurdische Frage in der Türkei“

dissertation-coverDie Dissertation „Die kurdische Frage in der Türkei“ erschien im Juni 2022 im transcript Verlag als Printpublikation und als frei verfügbare digitale Open Access Publikation. Um die Forschungsergebnisse und die Thesen auch außerhalb der Hochschulen zu debattieren, wird es eine Reihe von Veranstaltungen geben. Bereits feststehende Termine werden hier angekündigt, Anfragen für weitere Veranstaltungen an: ismail.kuepeli@ruhr-uni-bochum.de.

Die kurdische Frage in der Türkei: Über die gewaltsame Durchsetzung von Nationalstaatlichkeit

Der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und der kurdischen Bevölkerung ist einer der entscheidenden Faktoren, die die Geschichte und Gegenwart der Türkei bestimmen. Die politische Debatten und Entscheidungen in vielen sehr unterschiedlichen Bereichen von der Bildungspolitik bis hin zur Außenpolitik lassen sich auf die sogenannte kurdische Frage zurückführen. Darüber hinaus ist der Konflikt für die geschichtliche Entwicklung und der aktuellen Lage des gesamten Nahen und Mittleren Ostens bedeutend. Dies nicht zuletzt dadurch, dass kurdische Bevölkerungsgruppen in vielen Staaten existieren und in vielen Staaten politisch relevante AkteurInnen hervorgebracht haben, wie etwa neben der Türkei in Syrien und im Irak. Die Geschichte des Konflikts zwischen der Türkei und der kurdischen Bevölkerung muss aufarbeitet werden, um die gegenwärtigen Konflikte zu verstehen.

Die Forschungsarbeit beschränkt sich indes nicht auf die Analyse dieser gewaltsamen Durchsetzung von Nationalstaatlichkeit und der autoritären Schaffung einer türkischen Nation, sondern will darüber hinaus Empfehlungen und Denkanstöße für die Erinnerungsarbeit und die politische Bildung formulieren, die Beiträge für eine Anerkennung der Pluralität und Diversität der jeweiligen Bevölkerungen und für einen gesellschaftlichen Friedensprozess, in der die Interessen und Rechte aller Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden, liefern können.

21. März 2022, Online

24. Mai 2022, Herford

28. Juni 2022, Bochum

29. Juni 2022, Bochum

30. Juni 2022, Kassel

1. Juli 2022, Duisburg

4. Juli 2022, Erfurt

7. Juli 2022, Saarbrücken

12. Juli 2022, Hannover

13. Juli 2022, Frankfurt a.M.

22. Juli 2022, Oldenburg

7. August 2022, Oberhausen

20. August 2022, Rheinland-Pfalz

25. August 2022, Online-Veranstaltung

30. August 2022, Witten

31. August 2022, Hamburg

15. September 2022, Online-Veranstaltung

29. September 2022, Bremen

13. Oktober 2022, Leipzig

17. November, Wiesbaden